
Rafaela Sahyoun ist eine lateinamerikanische Künstlerin aus Brasilien mit arabischem Erbe und libanesischen sowie palästinensischen Wurzeln. Sie lebt zwischen São Paulo und verschiedenen internationalen Orten. In ihrer Arbeit verbindet sie Tanz, Choreografie und Lehre und bewegt sich dabei mühelos in relationalen und performativen Settings sowie in ortsspezifischen Ko-Kreationen. Ihre pädagogische Praxis ist von einem fundierten didaktischen Verständnis des Tanzes geprägt und entwickelt sich durch Forschung und Vermittlungsarbeit stetig weiter.
Ihre Arbeit wurde in Studiengängen auf Bachelor- und Masterebene, in professionellen Kompanien, Kulturzentren und unterschiedlichen künstlerischen Plattformen gezeigt und vermittelt. Seit 2019 unterrichtet sie an der PERA School of Performing Arts in Nordzypern und leitet dort Projekte zu zeitgenössischer Technik, Improvisation und Komposition. In den vergangenen sechs Jahren war sie außerdem als Gastchoreografin tätig und entwickelte jährlich neue Arbeiten, zuletzt The Trouble is Wildly Wet (2024).
Nach ihren Studien in Brasilien absolvierte Rafaela eine Tanzausbildung in New York City, bevor sie 2019 nach London zog, um am Trinity Laban Centre for Movement and Dance ein Studium der Dance Studies abzuschließen. Ihre Ausbildung setzte sie später an der SEAD Salzburg Experimental Academy of Dance in Österreich fort, wo sie 2013 ihren Abschluss machte. Seitdem hat sie sich intensiv mit somatischen Praktiken beschäftigt, die bis heute einen zentralen Bestandteil ihres Ansatzes als Pädagogin bilden. Derzeit studiert sie Somatic Therapy nach der Inner Balance Method.
Außerdem war sie Teil des Programms Atlas – Create Your Dance Trails bei ImpulsTanz 2023, begleitet von Mélanie Demers und Angélique Willkie als Mentorinnen. Als Performerin ist sie seit 2012 aktiv und arbeitete mit Tanzkompanien sowie unabhängigen Produktionen in Brasilien zusammen, zugleich kooperierte sie im Ausland mit internationalen Choreograf*innen.
Als Choreografin war Fôlego (2022) ihre erste Kreation für das renommierte Balé da Cidade de São Paulo. Das Stück wurde 2022 in der Kategorie Beste Premiere für den APCA Dance Award nominiert und gastierte in Brasilien, Deutschland, der Schweiz und Frankreich. 2025 schuf sie mit BOCA ABISSAL ihre zweite Arbeit für die Kompanie. Beide Stücke gehören inzwischen zum aktuellen Repertoire des Ensembles und werden gemeinsam als Double Bill auf einer Tour durch fünf französische Städte gezeigt, darunter das Théâtre de la Ville in Paris und die Maison de la Danse in Lyon.
2025 gründete sie zudem ELETRO-RAIA, eine Tanzkompanie, die aus jahrelanger gemeinsamer Forschung und künstlerischer Entwicklung hervorgegangen ist. Die erste Arbeit der Kompanie, CRUSH, begann 2022 als Forschungsprozess und feierte 2024 beim PERFORMdANCE Festival im ARGEkultur in Salzburg, Österreich, Premiere. Später wurde das Stück in Portugal in Koproduktion mit dem Teatro Alba in Aveiro präsentiert und 2025 in Brasilien im SESC Ipiranga in São Paulo uraufgeführt. 2026 wird C R U S H Teil von CROSSOVER sein, einem Programm des Ballet National de Marseille unter der Leitung von (LA) HORDE.